Daniel · 4. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit
Atzgersdorf – ein Dorf, das zu Wien gehört und trotzdem keines geworden ist

Atzgersdorf ist alt, auch wenn heute rundherum der 23. Bezirk geplant wurde. Über Jahrhunderte war der Ort ein eigenes Dorf mit eigenen Handwerkern, Wirten und Bauern, mit einer Kirche im Zentrum und Feldern, die weit reichten.
Erst 1938 wurde Atzgersdorf ein Teil von Groß-Wien. Aus dem Ort wurde ein Bezirksteil, aus Feldern wurden Siedlungen. Geblieben ist die Struktur: kurze Wege, Nachbarn, die einander kennen, und ein Wirtshaus, das als Treffpunkt funktioniert.
In Wien 1230 findet man dazu zwei Dinge, die man sonst vergeblich sucht: Platz und Ruhe. Der Springerpark, die Kirche aus Betonquadern nach Entwurf von Fritz Wotruba, die Liesing, die sich durchs Tal zieht, liegt alles nur wenige Minuten voneinander entfernt.
Für uns ist Atzgersdorf mehr als eine Adresse. Hier stand der Greißlerladen meiner Großmutter. Hier haben wir das Verkaufen und das Dasein gelernt. Wer heute bei uns einkehrt, merkt hoffentlich, dass dieser Laden nachwirkt: Man kennt die Gäste, man weiß, was sie gern essen, und man hat ein Auge für jene, die allein kommen.
Wenn du das nächste Mal in Wien 1230 unterwegs bist, schau vorbei. Wir haben einen Tisch frei, und der Weg ist kürzer, als er klingt.
Bis bald auf der Alm.
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